Das Anastasia-Matt zeigt wunderschön, wie zwei Figuren völlig verschiedene Aufgaben übernehmen. Der Springer steht etwas abseits vom König und nimmt ihm still und leise die Fluchtfelder. Dann schwenkt der Turm (oder die Dame) an den Brettrand und bietet entlang der Linie Schach. Eingezwängt zwischen Rand, eigenem Bauern und Springer hat der König keinen Ausweg mehr.
Meist passiert das auf der h-Linie gegen einen rochierten König, und oft beginnt es mit einem atemberaubenden Damenopfer.
Anatomie des Matts
Das Standardbild: Der schwarze König steht auf h7, sein eigener Bauer auf g7. Ein weißer Springer steht auf e7 und deckt sowohl g8 als auch g6. Ein weißer Turm bietet von irgendwo auf der h-Linie Schach, zum Beispiel von h5.
Jetzt zähl die Felder des Königs:
- g8 und g6 deckt der Springer.
- h8 und h6 liegen auf der h-Linie, also kontrolliert sie der Turm.
- g7 ist vom eigenen schwarzen Bauern blockiert.
Kann Schwarz den Turm nicht schlagen und die h-Linie nicht verstellen, ist es matt. Dasselbe Matt funktioniert mit einer Dame statt des Turms, und es lässt sich auch auf die a-Linie spiegeln.
So läuft der Angriff meistens ab
Der Springer auf e7 ist der Schlüssel. Oft kommt er mit Schach dorthin, von d5 oder f5, oder nach einem Schlagzug auf e7. Steht er erst einmal auf e7, frag dich: Kann ich die h-Linie öffnen und eine Schwerfigur dorthin bringen?
Die klassische Schlusskombination ist ein Damenopfer auf h7. Stell dir den schwarzen König auf h8 hinter Bauern auf g7 und h7 vor (oft wurde er gerade erst mit Se7+ dorthin getrieben), dazu den weißen Springer auf e7 und einen Turm, der bereit ist, auf die h-Linie zu schwenken. Weiß spielt Dxh7+! Der König muss schlagen, Kxh7, denn g8 deckt der Springer, und dann kommt der Turm mit Th3# oder Th5#, je nachdem, wo er gewartet hat. Das Opfer beseitigt den Bauern h7, der den König abgeschirmt hat, und zieht den König auf die offene Linie.
Manchmal ist die h-Linie schon offen, und ein einfacher Turmschwenk genügt. So oder so lautet die Reihenfolge: zuerst den Springer in Stellung bringen, dann die Linie öffnen, dann Schach bieten.
Typische Fehler
Angreifer opfern manchmal die Dame, bevor sie geprüft haben, ob der Turm die h-Linie wirklich mit einem einzigen Zug erreicht. Braucht dein Turm zwei Züge, bekommt der Verteidiger ein Gratistempo, um zu fliehen, zu blockieren oder selbst anzugreifen. Prüfe außerdem, ob eine verteidigende Figur die h-Linie verstellen oder den Turm schlagen kann.
Verteidiger unterschätzen oft einen einzelnen Springer auf e7. Er wirkt harmlos, weil er nichts Wertvolles angreift, und doch kontrolliert er genau die zwei Felder, die der König dringend braucht. Diesen Springer früh zu beseitigen, auch wenn es ein wenig Material kostet, ist oft die einzige Rettung. Ein weiterer Fehler in der Verteidigung: die h-Linie unbewacht zu lassen, etwa ohne Turm auf der Grundreihe, der nach h8 ziehen könnte.
Drei Gewohnheiten, die helfen
- Achte auf Vorposten auf e7 und e2. Landet dein Springer auf einem davon in der Nähe eines rochierten Königs, prüf sofort, was nach einem Opfer auf h7 oder h2 passiert.
- Denk an Turmschwenks. Ein Turm auf der dritten Reihe (Tf3-h3 oder Te3-h3) ist der häufigste Weg zu diesem Matt.
- Zähl Fluchtfelder, nicht Angreifer. Zwei Figuren reichen, wenn sie jedes Feld decken. Lass dich vom zusätzlichen Material des Verteidigers rund um den König nicht abschrecken.
Beim ersten Mal wirkt das Anastasia-Matt wie ein Zaubertrick. Doch nach einer Handvoll Rätsel erkennst du das Bild „Springer auf e7 plus offene h-Linie“ ganz mühelos.











