Die Hinlenkung ist die Kunst, eine gegnerische Figur auf ein schlechtes Feld einzuladen. Du bietest etwas an, meist Material und oft mit Schach, und die Figur, die annimmt, landet genau dort, wo deine Fortsetzung am härtesten trifft. Das häufigste Opfer ist der König, denn ein König, der nach vorne oder in eine Ecke gezogen wird, ist leichte Beute für Gabeln, Schachs und Mattangriffe.
Während die Ablenkung einen Verteidiger von einem Feld wegzieht, zieht die Hinlenkung eine Figur auf ein Feld hin. Beide leben von zwingenden Zügen, und beide sind typischerweise der erste Schritt einer längeren Kombination.
Kurzes Beispiel: in die Gabel gelockt
Stell dir den schwarzen König auf g8 und die schwarze Dame auf c7 vor. Weiß hat einen Turm, der mit Schach auf f8 landen kann, und einen Springer, der e6 erreicht.
Weiß spielt Tf8+. Nehmen wir an, der König hat kein anderes Feld und muss Kxf8 spielen. Jetzt steht der König genau dort, wo Weiß ihn haben wollte. Se6+ gabelt den König auf f8 und die Dame auf c7, denn ein Springer auf e6 greift beide Felder an. Nachdem der König gezogen hat, gewinnt Sxc7 die Dame. Weiß hat einen Turm hergegeben, aber eine Dame gewonnen.
Der Turm sollte gar nicht überleben. Seine einzige Aufgabe war, den König nach f8 zu bringen.
Ein berühmtes Mattbild
Die Hinlenkung zielt nicht immer auf den König. Beim bekannten erstickten Matt steht der schwarze König auf h8 hinter Bauern auf g7 und h7, und ein weißer Springer auf h6 deckt g8. Weiß spielt Dg8+. Der König kann nicht schlagen, weil der Springer das Feld deckt, also muss der schwarze Turm, der auf der Grundreihe wartet, nehmen: Txg8. Jetzt versperrt der Turm seinem eigenen König den letzten Ausweg, und Sf7# ist matt. Das Damenopfer hat den Turm auf genau das eine Feld gelockt, auf dem er seinen König erstickt.
So erkennst du eine Hinlenkung
- Überleg, wo du den gegnerischen König oder die Dame gern hättest. Würde eine Gabel, ein Spieß oder ein Matt mit der Figur ein Feld weiter funktionieren, such nach einem Opfer, das sie dorthin bringt.
- Such nach Schachs auf Feldern neben dem König. Ein Schach, das der König nur durch Schlagen beantworten kann, ist ein klassischer Auslöser für eine Hinlenkung.
- Achte auf Figuren, die nur ein Feld erreichen können. Ist ein Schlagzug erzwungen, bestimmst du, wo diese Figur landet.
- Behalte Springergabeln im Blick. Ist dein Springer zwei Züge von einer Familiengabel entfernt, schafft die Hinlenkung oft erst das Zielfeld.
Fehler, die die Kombination ruinieren
Der größte Fehler ist anzunehmen, dass das Opfer angenommen werden muss. Kann der König ausweichen oder eine andere Figur stattdessen schlagen, bricht die ganze Idee zusammen, und du stehst einfach mit weniger Material da. Geh vor dem Opfer jede legale Antwort durch.
Ein weiterer Fehler ist, die Fortsetzung falsch zu bewerten. Eine Gabel nach einer Hinlenkung muss tatsächlich mehr gewinnen, als du hergegeben hast. Wer einen Turm gibt, um König und Springer zu gabeln, steht danach womöglich schlechter da.
Praktische Tipps
- Denk rückwärts. Beginne beim Schlussschlag, etwa einer Gabel oder einem Matt, und frag dich, welche gegnerische Figur wohin müsste. Dann such nach dem Opfer.
- Bevorzuge Schachs. Opfer mit Schach schränken die Möglichkeiten deines Gegners ein und machen den Köder viel zuverlässiger.
- Rechne bis zum Ende. Hinlenkungen sind meist kurz, zwei oder drei Züge. Du kannst und solltest sie also durchrechnen, bevor du loslegst.
Sobald du dich fragst, wo der gegnerische König stehen soll, ist die Hinlenkung kein Rätsel mehr, sondern ein Plan.










