Schachnotation erklärt: Züge lesen und aufschreiben

Schachzüge lesen und notieren: Felder, Figurenbuchstaben, Schlagen, Rochade, Umwandlung und mehr.

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Die Schachnotation ist die gemeinsame Sprache des Spiels. Mit ihr kannst du deine eigenen Partien aufschreiben, Lösungen von Schachrätseln nachvollziehen, Bücher lesen und berühmte Partien Zug für Zug nachspielen. Fast überall wird heute die algebraische Notation verwendet, und sie ist viel einfacher, als sie aussieht. Nimm dir eine Viertelstunde Zeit, danach kannst du jede notierte Partie lesen.

Linien, Reihen und Feldnamen

Jedes Feld auf dem Brett hat einen eindeutigen Namen aus einem Buchstaben und einer Zahl.

  • Linien sind die senkrechten Spalten. Sie tragen die Buchstaben a bis h, von links nach rechts aus Sicht von Weiß.
  • Reihen sind die waagerechten Zeilen. Sie sind von 1 bis 8 nummeriert, beginnend auf der Seite von Weiß.

Setzt du beides zusammen, erhältst du den Feldnamen: zuerst der Buchstabe der Linie, dann die Zahl der Reihe. Aus Sicht von Weiß ist die linke untere Ecke also a1, die rechte untere h1 und die rechte obere h8. Der weiße König startet auf e1, der schwarze auf e8. Die weiße Dame beginnt auf d1, einem hellen Feld, die schwarze Dame auf d8, einem dunklen Feld. Das passt zur alten Merkregel, dass jede Dame auf ihrer eigenen Farbe beginnt.

Die Namen ändern sich nie, auch nicht, wenn du das Brett von der schwarzen Seite aus betrachtest. Von dort liegt a1 in der rechten oberen Ecke. Daran musst du dich erst gewöhnen, deshalb lohnt es sich, aus beiden Blickrichtungen zu üben.

Figurenbuchstaben

Jede Figur außer dem Bauern hat einen Großbuchstaben:

  • K für König
  • D für Dame
  • T für Turm
  • L für Läufer
  • S für Springer

Bauern bekommen gar keinen Buchstaben. Ein Zug besteht aus dem Figurenbuchstaben und dem Zielfeld. Sf3 heißt also, dass ein Springer nach f3 zieht, und Lc4, dass ein Läufer nach c4 zieht. Bei einem Bauernzug steht nur das Zielfeld: e4 bedeutet, dass ein Bauer nach e4 zieht.

Englische Buchstaben in Apps und Büchern

Viele Apps, Websites und englischsprachige Bücher verwenden die englischen Buchstaben. Das Prinzip bleibt genau gleich, nur die Buchstaben ändern sich:

Figur Deutsch Englisch
König K K (King)
Dame D Q (Queen)
Turm T R (Rook)
Läufer L B (Bishop)
Springer S N (Knight, weil K schon für den König steht)

Aus Sf3 wird im Englischen also Nf3, aus Dh5 wird Qh5. Manche Bücher nutzen statt Buchstaben kleine Figurensymbole, die in jeder Sprache gleich aussehen.

Schlagen

Ein Schlagzug wird mit einem x zwischen Figur und Feld markiert. Lxe5 bedeutet, dass ein Läufer schlägt, was auf e5 steht. Welche Figur geschlagen wurde, schreibst du nicht dazu, denn das Feld verrät es schon.

Bei Bauern schreibst du die Linie, von der der Bauer kommt. exd5 heißt also, dass der Bauer der e-Linie auf d5 schlägt. Das ist nötig, weil Bauern schräg schlagen und sonst zwei verschiedene Bauern dasselbe Feld erreichen könnten.

En passant, also das Schlagen im Vorbeigehen, wird wie jeder andere Bauernschlag notiert, mit dem Feld, auf dem der schlagende Bauer landet, zum Beispiel exd6. Manche setzen zur Klarheit noch „e.p.“ dahinter.

Schach und Matt

  • Ein Pluszeichen markiert ein Schachgebot: Dh5+ heißt, die Dame zieht nach h5 und bietet Schach.
  • Eine Raute markiert das Matt: Df7# heißt, die Dame zieht nach f7 und setzt matt.

In älterer Literatur siehst du für Matt manchmal „++“, der moderne Standard ist aber #.

Rochade

Die Rochade hat eigene Zeichen, geschrieben mit dem Großbuchstaben O (in deutschen Büchern und auf Partieformularen steht oft die Ziffer Null: 0-0):

  • O-O ist die kurze Rochade, zur h-Linie hin.
  • O-O-O ist die lange Rochade, zur a-Linie hin.

Eine einfache Eselsbrücke: Am Damenflügel steht ein Feld mehr zwischen König und Turm, also bekommt die lange Rochade ein O mehr.

Umwandlung

Erreicht ein Bauer die letzte Reihe, schreibst du das Zielfeld, dann ein Gleichheitszeichen und den Buchstaben der neuen Figur. e8=D heißt also, dass ein Bauer nach e8 zieht und sich in eine Dame verwandelt. Schlägt er dabei, kombinierst du beides: dxe8=S bedeutet, dass der d-Bauer auf e8 schlägt und zum Springer wird. Manche Quellen lassen das Gleichheitszeichen weg und schreiben e8D.

Eindeutigkeit: wenn zwei Figuren dasselbe Feld erreichen

Manchmal können zwei gleiche Figuren dasselbe Feld erreichen, und ein einfacher Zug wie Sd2 wäre unklar. Dann ergänzt du genau so viel, dass klar ist, welche Figur gemeint ist:

  • Stehen die Figuren auf verschiedenen Linien, ergänzt du den Buchstaben der Linie. Mit Springern auf b1 und f3, die beide d2 erreichen, schreibst du Sbd2 oder Sfd2.
  • Stehen sie auf derselben Linie, ergänzt du stattdessen die Zahl der Reihe. Mit Türmen auf a1 und a5, die beide a3 erreichen, schreibst du T1a3 oder T5a3.
  • In seltenen Fällen, etwa mit drei Damen, brauchst du beides, zum Beispiel Dh4e1.

Diese Zusatzangabe schreibst du nur, wenn sie wirklich nötig ist.

Zugnummern und Kommentare

Partien werden paarweise notiert: Zugnummer, Zug von Weiß, dann Zug von Schwarz. 1. e4 e5 bedeutet zum Beispiel, dass Weiß im ersten Zug e4 gespielt und Schwarz mit e5 geantwortet hat. Beginnt eine Zeile mit einem Zug von Schwarz, stehen drei Punkte nach der Zahl, etwa 3… Sc6.

Kommentatoren bewerten Züge außerdem mit Zeichen: ! steht für einen guten Zug, !! für einen brillanten, ? für einen Fehler, ?? für einen Patzer, !? für einen interessanten Versuch und ?! für einen zweifelhaften Zug. Das sind Bewertungen, sie gehören nicht zum Zug selbst.

Eine kurze Beispielfolge

Spiel diese Folge am Brett nach und lies jeden Zug genau: 1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lb5 a6 4. Lxc6 dxc6 5. O-O f6 6. d4 exd4 7. Sxd4 c5 8. Sb3 Dxd1 9. Txd1

Das passiert dabei: Beide Seiten ziehen ihren e-Bauern zwei Felder vor, Weiß entwickelt den Springer nach f3 und Schwarz den Springer nach c6. Der weiße Läufer geht nach b5, der schwarze a-Bauer greift ihn an, und der Läufer schlägt den Springer auf c6. Schwarz nimmt mit dem d-Bauern zurück, notiert als dxc6, weil ein Bauer geschlagen hat. Weiß rochiert kurz mit O-O. Nach einem Bauerntausch im Zentrum nimmt der weiße Springer auf d4 zurück und weicht nach b3 aus, als er angegriffen wird. Weil die d-Linie inzwischen offen ist, schlägt die schwarze Dame die weiße auf d1, und der weiße Turm von f1 nimmt zurück. Wenn am Ende beide Damen vom Brett sind und ein weißer Turm auf d1 steht, hast du jeden Zug richtig gelesen.

Die Koordinatenschreibweise

Computer und manche Apps nutzen außerdem ein schlichtes Von-nach-Format, die Koordinatennotation. Ein Zug besteht nur aus Start- und Zielfeld, ohne Figurenbuchstaben: e2e4, g1f3. Die Rochade wird als Königszug geschrieben, etwa e1g1, und bei der Umwandlung steht die neue Figur als englischer Kleinbuchstabe dahinter, etwa e7e8q für eine Dame. Angenehm zu lesen ist das nicht, aber völlig eindeutig, und genau deshalb mag Software diese Schreibweise.

Zum Schluss

Zuerst die Feldnamen, dann die Figurenbuchstaben, dann die Zusatzzeichen für Schlagen, Schach, Rochade und Umwandlung. Mehr ist die algebraische Notation wirklich nicht. Schreib deine nächsten Partien von Hand mit und lies dir in Ruhe ein paar Rätsellösungen durch. Nach ein, zwei Wochen liest du Notation so selbstverständlich wie einen ganz normalen Satz.

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